Seit ew´ger Zeit lieg ich schon hier, krank,
hilflos und allein, der Blick geht sehnsuchtsvoll zur Tür, doch
niemand kommt herein.
Ich warte auf den Klingelton - das ganze Haus
bleibt still, auch schellt keiner am Telefon, der mit mir reden will.
Die Kinder haben keine Zeit, die Enkel kein Verlangen, kein
Freundeskreis mehr weit und breit, der Mann ist früh gegangen.
Vom Pflegedienst, die Edeltraut, die bei mir jeden Tag nun
zweimal nach dem Rechten schaut
- ach, wie ich Traudel mag!
Viel Zeit hat sie natürlich nie, ein rechter Wirbelwind,
bringt Essen, putzt und spritzt mein Knie - dort wo die Schmerzen sind.
Der Teller steht noch immer dort, wo er zum Frühstück
stand. Heut früh war viel zu schnell sie fort, kaum Zeit zum Reden
fand.
Das Auge tränt, der Blick verschwimmt, halb schlaf ich -
und im Traum, mein Geist mich an die Stelle bringt zur Bank am alten
Baum.
Seit ew´ger Zeit lieg ich schon hier - es klopft - ich
ruf "Herein!" Und endlich steht sie in der Tür: "Das - muss ein
Engel sein!"
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