Escaping
the AIDS Zone ©by Frank Green
Published by Continuum
Magazine, London, June/July 1997 deutsch
(sinngemäß) von Michael Leitner
Meine Freunde
fingen 1982 an, zu sterben. Ann Craigh war die erste. Sie und ich haben uns oft
nach unseren Vorstellungen im "Pyramid", einer East- Village Performance-
Bühne, unsere Spritzen gesetzt. Spindeldürr geworden, lebte sie seit
Jahren von Heroin und Milchshakes. Zähne fielen ihr mal während
einer Vorstellung aus, das Publikum flüchtete.
Ann dachte
immer daran, den Straßensäufern am Tompkins Square Talismänner
oder kleine Schmuckgegenstände zu schenken; wir wohnten damals ganz in der
Nähe. Als Ann krank wurde, war AIDS gerade erfunden worden. Ihre
Ärzte sagten ihr, sie habe sich ein exotisches Virus eingefangen. Sie
verkaufte ihre Bücher am Union Square, setzte sich den letzten
Schuß, und fuhr zum Sterben heim nach
Connecticut.
Ich sah
Menschen mit Sarkom- Läsionen, die Kokain kauften. AIDS wütete in New
York damals wie ein wild gewordener Polizist. Es dauerte nicht lange, bis man
uns warnte, Injektionsnadeln nicht mir anderen zu teilen. Für viele von
uns wäre es allerdings zu spät, sagte man uns. Als meine
Zimmernachbarin Diane Hurt positiv getestet wurde, zog ihre Freundin Julie
Akerlund zu ihr. Ich suchte Unterschlupf in einem von Obdachlosen besetzten,
leerstehenden Haus.
Das
Überleben in den baufälligen, ungeheizten Wohnungen war nicht
einfach. Besonders im Winter, wenn ich 5 Pullover übereinander anziehen
mußte. Jeder war in der Ellenbeuge schon mit Blut befleckt, ich setzt mir
fast jede Stunde einen Schuß mit Kokain oder Heroin, wog nur noch 90
Pfund. Ich hatte alles verkauft, was ich besaß, außer meinen
Pullovern und einer alten Kopie von Rimbauds "Season in Hell". Ich hatte
Entzündungen im Gesicht, war mit Hepatitis positiv. Meine Freunde um
mich herum starben, und ich wußte, wenn ich mein Leben nicht
änderte, Verantwortung für mich übernahm, würde ich ihnen
folgen.
Ich kroch
heimwärts, nach Cleveland, Ohio. Ich schämte mich fürchterlich.
Aber ich hörte mit Kokain und Heroin auf, ernährte mich gut und
renovierte mein Selbstwertgefühl. Diane ging es mittlerweile schlechter.
Sie erzählte am Telefon von den vielen Medikamenten, die ihr die
Ärzte in der Klinik ihr gaben. Julie spritze währenddessen weiter
Heroin. Als sie starb, schwor sie, AZT hätte sie getötet. Allein
gelassen, hatte sie ihre Hoffnung verloren, der HIV- Test und AZT hatten ihr
den Rest gegeben. Sie starb. Ich habe auch einen Test gemacht, und als der Arzt
sagte, er wäre positiv, da dachte ich, bald meine Freunde im Himmel
wiederzutreffen.
Bei der
ersten Diagnose, 1988, glaubte ich, was man mir erzählte. Ich glaubte,
jung zu sterben, ich war verdammt deprimiert. Meine T4- Zellen- Werte fielen
von 1200 auf 450, in weniger als 6 Monaten. T4- Zellen werden gemessen, um zu
bestimmen, wann eine Therapie zu erfolgen hat. Eine fragwürdige Praxis,
wie ich später erfuhr. Die ganze Zeit drängte mich mein Arzt, AZT zu
nehmen. Wäre ich ihm gefolgt, würde ich dies hier nicht schreiben
können, ich wäre gestorben. Ich weiß heute, daß meine
niedrigen T4- Werte aus meinen Depressionen resultierten, und die waren ein
Resultat meiner Diagnose. Ein "positives" Testergebnis 'verschreibt' und
bedingt Krankheit, ist die selbst- erfüllende Prophezeihung eines baldigen
Todes, und toxische Medikamente besorgen den Rest und beseitigen dann die
Erkrankten.
Glücklicherweise entdeckte ich Artikel von John Lauritsen und
Celia Farber in der alternativen Presse. Sie halfen mir, das Modell "HIV =
AIDS" in Frage zu stellen. Schnell entdeckte ich die Widersprüche der
herrschenden Meinung über AIDS, fand Bücher von Peter Duesberg und
Robert Root Bernstein. Je mehr ich las, umso überzeugter war ich,
daß das AIDS- Paradigma eine Schande ist. Dieses Wissen gab mir Kraft,
und ich vertraute wieder auf die Stärke meines eigenen gesunden
Körpers. Meine T4- Zellen- Werte stiegen
wieder.
Als
Künstler brachte ich mich in die AIDS- Debatte auf die beste Art ein, die
ich beherrschte: durch meine Kunst. Ich machte Serien von Selbstportraits,
Performances und Installationen, ich erkundete den philosophischen Hintergrund
des Phänomens "HIV": die verborgenen Mechanismen, die Stigmatisierung
Positiver und autoritäre Macht hatten die ein Klima geschaffen hatten, wo
medizinischer Mord florieren kann. Je härter ich nachforschte und
arbeitete, um so besser ging es mir.
Die
Reaktionen der Kultur- Szene waren, untertrieben gesagt, eher gemischt.
Menschen würden wütend, als ich darauf bestand, gesund zu sein, als
hätte ich ihnen Werte genommen. Niemand wurde wütender und
verrückter als die, die am meisten zu verlieren hatten: AIDS- Ärzte,
Mitarbeiter im Gesundheitsdienst, "AIDS- Aufklärer", die Seminare
abhielten. Sie sagten, ich wäre in einem Zustand der Verneinung, sei
unfähig, mit meinem nahenden Tod umzugehen. Aber ich hatte keine Angst
mehr, an AIDS zu sterben. Ich entschied einfach, an objektive Wissenschaft,
anstatt an profitorientierte Medizin zu glauben. Spätestens seit AIDS gibt
es eine unüberbrückbare Distanz zwischen objektiver Wissenschaft und
der Medizin. Es sind zwei verschiedene, voneinander getrennte Welten
geworden.
Zwei Jahre
vergingen, die Gewißheit, das HIV- Paradigma sei falsch, wurde
größer. Doch das Establishment der medizinischen Forschung bestand
auf seiner Virus- Hypothese, einem Goldesel, auf den man nicht gern verzichtet.
Heutzutage sind Organisationen wie
Continuum selten und chronisch unterfinanziert,
während die AIDS- Institutionen, die den mainstream vertreten, in jeder
Kleinstadt anzutreffen sind. Einer der Konsequenzen ist, daß unbefangene,
von Fremdinteressen freie AIDS- Informationen für Positive nur schwer zu
bekommen sind. Tausende Menschen werden so in den Sumpf medizinischer
Abhängigkeit getrieben, als deren Konsequenz man die HIV- Diagnose
beschreiben muß, wegen der einseitigen Informationen. Auch, wenn
Ärzte jetzt [wegen der Cocktails] wieder Hoffnung aufs
Überleben machen, so geben sie diese Hoffnung doch nur dann, wenn die
Patienten einwilligen, nach einem strengen Plan toxische Medikamente
einzunehmen, die gefährliche Nebenwirkungen
haben.
Aber ich
glaube nicht länger an ihre Prophezeiung vom Todesurteil "HIV = AIDS". Ich
betrachte mich als gesund, und es hat mich keinen Pfennig für Medikamente
gekostet. Ich befolge keine Spezialdiät, mache keine alternative Therapie.
Ich fühle mich gesund wie ein Pferd, habe viel Energie, und sehe 10 Jahre
jünger aus, als ich bin. Ich war in der Hölle und bin aus ihr wieder
zurückgekehrt, bekämpfe die Abhängigkeiten, die mich
getötet hätten. Ich tue viel für meine Gesundheit, und
genieße sie. Ich bin mir bewußt, daß die wenigen
Auserwählten, die eigentlich für Gesundheit zuständig sind,
Elend verbreiten. Ich spreche von professionellen Medizinern.
Ich habe ein
langes Leben vor mir, und ich werde für eine Neubewertung der HIV-
Hypothese kämpfen, solange ich lebe. Ich wünschte nur, Ann, Diane und
Julie wären bei mir, um in diesem Kampf mit mir zu
kämpfen. |